Die Ursprünge des Vereins gehen auf das Jahr 1898 zurück, in dem am 1. April sieben Freunde der Volksmusik (Wilhelm Häfele, Ludwig Hauser, Jakob Hartmann, Jakob Heck, Jakob Sohn Heck, Wilhelm Heck und Christian Mößner) eine Musikkapelle gründeten.

Diese Erstgründer waren von der Idee und dem Willen beseelt für sich und aus Freude an der Musik zu musizieren. Die musikalische Einübung besorgte damals Markus Fuchs aus Heidelsheim. Verschiedene Gründe verursachten ein immer wiederkehrendes Auf und Ab. Zweimal löste sich die Kapelle auf, um dann ab 1905 eine konstante Aufwärtsentwicklung zu nehmen. Wilhelm Häfele, der zwischenzeitlich eine Musikerausbildung absolvierte, übernahm ab diesem Zeitpunkt die Leitung der Kapelle.

Dann kam der 1. Weltkrieg 1914-1918. Viele Musiker mussten den Kriegsdienst leisten. Die Kapelle war während dieser Zeit nicht mehr spielfähig. Aus diesem Krieg sind nicht mehr heimgekehrt: Emil Banspach und Karl Feßler. An den Folgen seiner Kriegsverletzung ist Gottlieb Bohner im Jahre 1928 verstorben.

Wenige Jahre nach dem 1. Weltkrieg wurde eine neue Kapelle gegründet, deren Seele wiederum Wilhelm Häfele war. Sicherlich spielte dabei auch der Gedanke eine Rolle, bei all den widrigen Umständen bei unserer Bevölkerung wieder neuen Lebensmut zu wecken. Der Zustrom zur Kapelle überraschte. Aber Inflation und wirtschaftliche Notlage bescherte auch den Interessenten an der Volksmusik keine rosigen Zeiten. Die meisten Musiker waren daher nicht in der Lage ein Instrument aus eigener Tasche zu zahlen. So wurde (der Not gehorchend) der Beschluss gefasst einen Verein zu gründen mit der Zielvorstellung, durch zahlende passive Mitglieder ein Vereinsvermögen zu schaffen, aus dem Instrumente beschafft werden können. Dieses Vorhaben wurde am 01.07.1927 realisiert.

Mit der vorläufigen Vereinsführung wurde der aktive Musiker Fritz Stemmler beauftragt; die Leitung der Kapelle hatte weiterhin Wilhelm Häfele. Bis Ende des Jahres zählte der Verein bereits 55 passive Mitglieder. Bei der ersten Generalversammlung des neu gegründeten Musikvereins “ Harmonie ” am 01.01.1928 wurde Heinrich Dittes zum 1. Vorstand gewählt. Im selben Jahr hat der ehrgeizige Dirigent Wilhelm Häfele mit seiner Musikerschar am “ Preisblasen ” teilgenommen und einen beachtlichen Erfolg erzielt. Mit Idealismus, Engagement und Tatkraft haben Vereinsleitung und Musiker die Geschicke des Vereins zur Pflege der Volksmusik bis 1945 gemeistert, obwohl von 1933 bis zum Zusammenbruch 1945 alle im damaligen Reichsgebiet vorhandenen Musikkapellen gleichgeschaltet waren und die Musikpflege nach Parteirichtlinien ausgeübt werden musste. In dieser Zeit wurde die Kapelle vornehmlich zu Parteiveranstaltungen herangezogen.

Die letzten Einträge im Protokollbuch vor Ausbruch des 2. Weltkrieges datierten vom 13.08.1939; dort heisst es wörtlich: “ Nachdem viele Musiker zum Kriegsdienst eingezogen wurden, sah sich die Vereinsleitung gezwungen, den Musikbetrieb ab diesem Zeitpunkt einzustellen. ” Vom Inferno dieses Wahnsinnskrieges blieb auch unsere Bevölkerung nicht verschont, insbesondere in den letzten Kriegstagen. Auch unter den Musikfreunden hat dieser Krieg seine Opfer gefordert. Trotz dieser leitvollen Zeit regte sich nach Kriegsende der Gedanke und der Wille, das Musikleben neu erstehen zu lassen. Dieses Vorhaben scheiterte zunächst am Verbot der amerikanischen Militärbehörde, kein Vereinsleben zuzulassen. Mit Argusaugen wachte man darüber, jegliche Ansätze in der Musik, die scheinbar einen militaristischen Kern vermuten ließen, zu unterbinden.

Ab 1946 konnten politisch unbescholtene Personen sich um Wiederzulassung von Vereinen bemühen. Für den Musikverein wurde ein am 09.06.1946 von Karl Herrmann unterschriebener Vertrag vorgelegt. Dieser Antrag wurde jedoch deshalb konsequent abgelehnt, weil einige Musiker dem am 30.06.1946 aus dem Internierungslager heimgekehrten früheren Dirigenten Wilhelm Häfele ein Ständchen brachten (Auslöser war eine polizeiliche Anzeige). Am 09.03.1948 wurde schließlich dem Emil Leicht unterschriebenen “ Antrag zur Erlangung einer Vereinsgenehmigung ” entsprochen. Nun stand der Normalisierung des Vereinslebens nichts mehr im Wege; es konnte sich etablieren und kontinuierlich weiter entwickeln. Neben den früheren Musikern, die allmählich aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrten und wieder zur Kapelle zurückfanden, sind viele “ Neubürger ” zur Kapelle gestoßen. Ab 1948 bis 1976 lösten sich Emil Leicht, Jakob Wagner, Emil Bertsch, Alfred Hartkorn, Eugen Stein, Walter Zimmermann und Willi Schimmel an der Spitze der Vereinsleitung ab. Mit viel Idealismus und zähem Beharren haben sie die Interessen des Vereins und seinen Aufwärtstrend gefördert und vertreten. Unter ihrer Regie wurde am 12., 13. und 14.07.1952 das 25jährige Vereinsjubiläum und das 50jährige Bestehen, das 70jährige Jubiläum der Kapelle und 40jährige Vereinsjubiläum (verbunden mit dem Bezirksmusikfest) und vom 14.-16.07.1973 das 75jährige Bestehen der Kapelle, gefeiert.

Ab dem Jahre 1976 stand Dieter Widmann als Steuermann dem Verein vor. Er hat zur Genüge bewiesen, dass er seine Aufgabe mit Unterstützung der übrigen Vorstandsmitglieder ausschließlich darin sah, zum Wohle des Vereins und der Musik zu wirken und dadurch den Fortbestand des Vereins und der Kapelle zu sichern. Mit Bravour war unter seiner Regie das Bezirksmusikfest, verbunden mit den Jubiläen 90 Jahre Musikkapelle und 60 Jahre Musikverein, durchgeführt worden. Damals haben 6 Kapellen am Freundschaftsspielen teilgenommen. Erwähnt sei in diesem Zusammenhang auch, dass die Kapelle in früheren Jahren an “ Wertungsspielen “ mit beachtlichen Erfolgen teilgenommen hat. Es war immer wieder festzustellen, dass eine derartige Teilnahme auch das Selbstbewusstsein der Musikerinnen und Musiker gestärkt hat. Selbstverständlich war der Verein in der Regel bei allen Höhepunkten des Dorfgeschehens präsent. In der Kapelle ist die Bandbreite der musikalischen Richtungen sehr groß. Wenn wir die Zeiten der letzten 50 Jahre nochmals Revue passieren lassen, waren auch hier manchmal Krisen zu überstehen. Doch der eiserne Wille, der Sache der Volksmusik zu dienen, sie zu pflegen und zu fördern, hat über alle Zeit- und Begleiterscheinungen hinweggeholfen. Sehr zu loben ist, dass die Jugend beiderlei Geschlechts stark vertreten ist. Sie bieten Gewähr dafür, dass die Seniorenkapelle immer wieder Nachwuchs erhält.

 

Noch einige kurze Details aus der Vereinsgeschichte:

  • Im Jahre 1929 wurde ein aktiver Musiker wegen ungebührlichem Verhalten aus dem Verein ausgeschlossen!
  • Anlässlich des 30jährigen Stiftungsfestes im Jahre 1930 fand hier zum ersten Mal ein Musikerwettstreit statt, an dem sich 16 Kapellen beteiligten.
  • Dem ersten Antrag auf Wiederzulassung des Vereins im Jahre 1946 musste jeder in der Vereinsleitung tätige Musiker einen Fragebogen über seine politische Vergangenheit beifügen.
  • Seit 1934 wurden fast in jedem Jahr (ausgenommen die Zeiten von 1939-1945) Tagesausflüge durchgeführt.
  • Früher wurden die Weihnachts- oder Winterfeiern immer durch Theaterstücke bereichert, die von Laienspielern des Vereins aufgeführt wurden.

 

Es ist unumstritten, dass der Musikverein, der im Jahr 1998 sein 100jähriges Jubiläum feierte, zu den großen Kulturträgern im Kreise der Gondelsheimer Vereine zählt. Beachtlich ist die Tatsache, dass in unserer kommerziell ausgerichteten Gesellschaft der Verein keine materiellen Ziele verfolgt und die MusikerInnen aus Freude an der Musik dabei sind. Immer wieder ist zu erkennen, wo gemeinschaftlich musiziert wird, herrscht Frohsinn und Freundschaft. Das Geschaffene zu erhalten, die Volksmusik zu pflegen und zu fördern, sei unser aller Pflicht zur Erhaltung unserer kulturellen Güter. Möge die Volksmusik aber auch uns zur Freude und zu unser aller Wohl gereichen und nicht zuletzt auch zum Wohle unserer Gemeinde Gondelsheim.

gez. Alfred Hartkorn
anlässlich des 100jährigen Vereinsjubiläums im Jahre 1998

 

 

Das Seniorenorchester im Jubiläumsjahr 1998 (100-jähriges Bestehen)